Governance

Präambel

IDunion ist ein Zusammenschluss aus öffentlichen und privaten Akteuren, die gemeinsam eine Infrastruktur betreiben, um das Ausstellen und Verifizieren von digitalen Nachweisen zu ermöglichen. Eines der ausschlaggebenden  Kriterien für den Erfolg des Vorhabens ist das Regelwerk für die verschiedenen Teilnehmer des Ökosystems. Dieses Regelwerk ist durch die Satzung, die Geschäftsordnung und andere Verträge der IDunion-SCE festgehalten. SCE steht hierbei für Sociedad Cooperativa Europea und ist eine europäische Rechtsform. Die Satzung beschreibt die Rechte und Pflichten für die involvierten Parteien und bildet das Fundament für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Im Folgenden möchten wir näher auf die wichtigsten Bestandteile im Ökosystem eingehen, welche notwendig sind, um Vertrauen im digitalen Raum zu gewährleisten.

Öffentliche Förderung & Geschichte

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat 2020 die Wettbewerbsphase des Förderprogramms “Schaufenster Sichere, Digitale Identitäten” durchgeführt. Ziel des BMWi ist es, Projekte zu fördern, die an neuen Ideen und Konzepten für sichere digitale Identitäten für Bürgerinnen und Bürger arbeiten. Das IDunion-Projekt hat sich damals noch unter dem Namen “SSI für Deutschland” an dem Förderprogramm beteiligt und ein Konzept für ein dezentrales Identitätsmanagement auf den Prinzipien selbstbestimmter Identitäten (sogenannter Self-Sovereign Identities, SSI) erarbeitet. Im Projekt wurde die Governance der Europäischen Genossenschaft erstmalig detailliert vorgestellt. Damit wurden die Grundlagen für den Aufbau von IDunion als Europäische Genossenschaft geschaffen.

Bestandteile und Ziele der Governance

IDunion verfolgt ein gut austariertes Verhältnis zwischen einer technologisch vertrauenswürdigen Infrastruktur sowie einem transparenten Modell der Zusammenarbeit.

Organisatorisch begründet sich dies vor allem in den vertraglich geregelten Organisationsstrukturen und -prozessen für eine effiziente Zusammenarbeit. Technologisch sind dies speziell die dezentralisierten Technologien und Protokolle, um mögliche Informationsasymmetrien und Kontrollpunkte im Betrieb zu vermeiden. Ziel der Governance ist es mit steigender Anzahl der Teilnehmer effizient bei der Entscheidungsfindung zu bleiben sowie vertrauenswürdige und nicht-monopolistische Strukturen zu schaffen und zu erhalten. Die europäische Rechtskonformität steht dabei im Vordergrund.

Internationale Standardisierung & Governance

Die Standardisierung und Entwicklung der technologischen Open-Source-Rahmenwerke erfolgt im Hyperledger Projekt der Linux Foundation und unterliegt demnach der Governance der Linux Foundation bzw. des Hyperledger Projekts. Die Basiskomponenten “Verifiable Credentials” und “Dezentrale Identifikatoren” (DID) werden vom World Wide Web Consortium (W3C) spezifiziert und standardisiert. Das Kommunikationsprotokoll “DIDComm” sowie andere wichtige Aspekte werden von der Decentralized Identity Foundation (DIF) standardisiert. Erweiterungen, Integration und der Betrieb der darauf basierenden Infrastruktur unterliegen dem vertraglichen Zusammenarbeitsmodell der IDunion-SCE.

Regelwerk der Genossenschaft

Die Verordnung der europäischen Genossenschaft (SCE) bietet die Rechtsgrundlage für die Kollaboration von unterschiedlichen Rechtseinheiten aus beliebigen EU-Ländern. Die Eckpunkte der Verordnung stellen einen passenden Rahmen dar, um IDunion mit demokratischen Strukturen und hohem Grad an Digitalisierbarkeit abzubilden. Die Organisationsstruktur sowie Rechte und Pflichten der involvierten Parteien werden in der Satzung und Geschäftsordnung weiter spezifiziert und bilden das Fundament für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Das technische Netzwerk

Das verteilte Netzwerk hat keine öffentlichen Schreibrechte, sondern folgt einem hybriden Modell: Der Betrieb der verteilten Datenbank und Schreibzugriffe sind beschränkt auf vorher geprüfte Entitäten und über die Governance der IDunion-SCE geregelt. Der Lesezugriff hingegen ist öffentlich und erlaubt damit die nötige Skalierung der Anwendungen. Hiermit sind die regulatorischen Anforderungen und das Ziel eines möglichst offenen und dezentralen Identitäts-Netzwerkes abbildbar.

Teilnahme an den Governance Prozessen der Gesellschaft

Aktuell ist IDunion ein Konsortium von verschiedenen Unternehmen und öffentlichen Institutionen, die im Rahmen des Innovationswettbewerbs des BMWi-Förderprogramms als Forschungs- und Entwicklungsprojekt zusammenarbeiten. Die Gründung der Genossenschaft wurde vorbereitet, ist aktuell jedoch noch nicht erfolgt. Grundsätzlich ist die Teilnahme nach der Gründung der IDunion-SCE offen für weitere Mitglieder. Die Arbeit der IDunion-SCE ist über verschiedene Gremien (Aufsichtsrat, Geschäftsführung, Komitees und Generalversammlung) strukturiert. Deren Tätigkeiten sind in den Governance-Prozessen geregelt. Weitere Details sind unter dem Punkt  Aufbau der Genossenschaft dargelegt.

 

Vertrauensbildung im IDunion-Netzwerk

Zur Vertrauensbildung in das Ökosystem sind drei wesentliche Punkte entscheidend: Die technische Infrastruktur des Netzwerkes, die gesicherte und allgemein akzeptierte Ableitung von Identitäten bzw. das Einbringen von Nachweisen und das Regelwerk, nach welchem die Teilnehmer untereinander den Datenaustausch vornehmen.

Nachhaltigkeit und not-for-profit Gedanke der Gesellschaft

Die IDunion Genossenschaft dient ihren Mitgliedern, verfolgt gemeinnützige Zwecke und ist am nachhaltigen Fortbestand der Genossenschaft interessiert. Als not-for-Profit Organisation erwirtschaftet IDunion keine Gewinne für ihre Mitglieder und verfolgt keine Profitmaximierung, sondern ist an der Deckung ihrer Betriebskosten und nachhaltiger Reinvestition interessiert. Das gesamte Geld, das von der SCE verdient oder ihr gespendet wird, wird zur Verfolgung der Ziele der Organisation und zur Aufrechterhaltung ihres Betriebs verwendet.

Mehr Informationen finden Sie in den unten verlinkten Dokumenten sowie in unserer FAQ.

Illustration der Struktur

Das Identitätsnetzwerk soll zukünftig über eine Europäische Genossenschaft gesteuert werden an der sich jede Institution in der EU beteiligen kann.

Gesamtheit aller rechtlichen Dokumente der Gesellschaft

Jene Vollmitglieder, deren Organträger oder Arbeitnehmer in den Aufsichtsrat der
Genossenschaft gewählt wurden, sind berechtigt und verpflichtet, die Rolle der „Trustees“ im
Netzwerk auszuüben.

(1) Der Aufsichtsrat bestellt und entlässt den Vorstand. Er hat die Geschäftsführung des
Vorstands zu fördern und zu überwachen, sich laufend über die Angelegenheiten der
Genossenschaft und ihrer Einrichtungen zu unterrichten sowie die erforderlichen Prüfungen
durchzuführen. Der Aufsichtsrat kann vom Vorstand jederzeit Auskünfte über die
Angelegenheiten der Genossenschaft verlangen. Der Aufsichtsrat hat der Generalversammlung
über seine Tätigkeit zu berichten.

(2) Der Aufsichtsrat entscheidet über die Zulassung neuer Mitglieder zur Genossenschaft.

(3) Der Aufsichtsrat vertritt die Genossenschaft gegenüber den Vorstandsmitgliedern gerichtlich
und außergerichtlich.

Rolle des Trustees:
Trustees legen die Regeln des Netzwerks bei Gründung fest und können die Regeln des
Netzwerks nach vorgeschriebenen Abstimmungsregeln ändern. Jeder Trustee hat eigene DID
und Keys, die unabhängig von anderen Rollen sind.

Das Technische Komitee entscheidet unter anderem über die Allokation von Entwicklungsressourcen und berät den Vorstand bei der Weiterentwicklung des Netzwerks bzw. von Netzwerkkomponenten. Des Weiteren fördert und koordiniert das Komitee die Zusammenarbeit mit der internationalen Entwickler-Community.

Policy Board, welches unter anderem ein institutionelles Regelwerk für das Netzwerk aufstellt und den Vorstand in Rechtsfragen berät.

Public Advisory Board, welches unter anderem den Vorstand bezüglich der Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Sektor und wissenschaftlichen Institutionen berät.

Der Vorstand führt die Geschäfte der Genossenschaft eigenverantwortlich gemäß den für eine SCE geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen. Der Vorstand wird durch den Aufsichtsrat bestellt und entlassen.

Hierzu zählt die Anmeldung der Marke sowie eventuelle Schutzrechte für rechtliche Verteidigungen. Die Partner planen zudem gemeinsam einen eigenen defensiven Patentpool (als Schutz gegen mögliche Patentangriffe von Dritten) aufzubauen bzw. sich ggf. einem anderen defensiven Patentpool anzuschließen.

Ein Knotenbetreiber ist eine Organisation, die entsprechende Qualifikationen erfüllt und somit einen Server im IDunion Netzwerk betreiben darf. Diese Qualifikationen werden durch die Governance Gremien vorgegeben.

Ein Endorser ist eine Organisation, die im Rahmen der eingeschränkten Schreibrechte autorisiert ist, eine Transaktion zu genehmigen, indem sie diese Transaktion digital signiert, sodass sie von einem Knoten-Betreiber akzeptiert wird.
Der Transaction Author ist eine Entität, die eine Transaktion initiiert. Meist handelt es sich dabei um eine juristische Person, welche ihre eigenen öffentlichen Schlüssel bzw. den dezentralen Identifikator auf das Netzwerk schreibt.

Netzwerk Monitor / Überwachung des ordnungsgemäßen Betriebs
Verwendung eines Systems zur ständigen Überwachung eines Netzwerks hinsichtlich fehlerhafter Komponenten.

Gemäß deutschem Genossenschaftsgesetz muss jede Genossenschaft einem Genossenschaftsverband angehören, dem das Prüfungsrecht verliehen ist. Dieser führt zum einen die Gründungsprüfung durch, und prüft dann auch fortlaufend in regelmäßigen Abständen die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung der Genossenschaft.

FAQ für Governance

Über die Genossenschaft:

Der Aufbau und Betrieb des Netzwerkes erfolgt durch eine Europäische Genossenschaft (S.C.E. = Societas Cooperativa Europaea). Diese ist speziell nach dem europäischen Rechtsrahmen ausgerichtet und ermöglicht die Verifikation von Identitätsdaten gemäß den in Europa geltenden Rechte und Verordnungen sowie den Standards zu Datenschutz und IT-Sicherheit. Diese europäische Rechtsform ermöglicht Unternehmen und Institutionen aus allen Europäischen Mitgliedsstaaten einen gleichberechtigten und ausgeglichenen Zugang zur Gestaltung des Regelwerks der Genossenschaft. IDunion handelt hierbei im Interesse all seiner Mitglieder. Jedes Mitglied hat jeweils eine Stimme, welches eine sehr demokratische Interessenvertretung ermöglicht. Die Rechtsform ermöglicht es, auf Änderungen am Markt zu reagieren, bietet jedoch die notwendige Sicherheit und Planungssicherheit von vorher vereinbarten Prozessen. Die Gesellschaftsform zeichnet sich u.a. aufgrund der Digitalisierungsfreundlichkeit, der Gestaltungsfreiheit, der Flexibilität und dem Aufbau auf den europäischen Rechtsrahmen aus.

Rechtsgrundlage für die SCE sind sowohl europäische als auch nationale Rechtsvorschriften. Europäisches Recht in Form der unmittelbar anwendbaren SCE-VO ist die Grundlage. Darauf bauen die SCE-Ausführungsgesetze der Mitgliedstaaten auf (SCEAG). In Deutschland gilt darüber hinaus auch noch das SCE-Beteiligungsgesetz (SCEBG). Soweit ein Bereich nicht oder nur teilweise in den SCE-Gesetzen geregelt ist, unterliegt die SCE auch noch dem Genossenschaftsrecht des Mitgliedstaates, in welchem die SCE ihren Sitz hat. In Deutschland ist das das deutsche Genossenschaftsgesetz (GenG). In diesem rechtlichen Rahmen wird die spezifische Ausgestaltung der SCE über ihre Satzung und Geschäftsordnung geregelt.

Alle Mitglieder erhalten bei Eintritt in die Europäische Genossenschaft mindestens einen Geschäftsanteil. Alle Mitglieder sind also gleichzeitig auch die Eigentümer der Europäischen Genossenschaft.

Zweck der Genossenschaft ist der Aufbau und der Betrieb eines dezentralen Netzwerks für die Verknüpfung sowie Absicherung der Identitäten von natürlichen wie juristischen Personen und Dingen unter Einhaltung der in Europa maßgeblichen Rechtsvorschriften (wie z.B. DSGVO, eIDAS-VO und Rechtsvorschriften der Genossenschaft).

Grundvoraussetzung für das Entstehen und Florieren der digitalen Ökonomie sind digitale Identitäten, die für jedermann zugänglich, interoperabel, sicher und einfach
zu benutzen sind. Unser Netzwerk baut auf dezentralen, heterogen verteilten Knoten und Agenten-Software auf und passt sich in den europäischen Rechtsrahmen (GDPR, eIDAS) ein.

Die Genossenschaft bietet unter europäischem Rechtsrahmen und Prinzipien ein dezentrales Netzwerk für die Verknüpfung/Absicherung von:

• Identitäten von natürlichen Personen weltweit auf dem Netzwerk
• Identitäten von juristischen Personen weltweit auf dem Netzwerk
• Identitäten von Dingen weltweit auf dem Netzwerk

Wir orientieren uns an weltweiten Standards der DIF, des W3Cs und der ToIP Foundation für den Ansatz Dezentraler und selbstbestimmter Identitäten, wie Verifiable Credentials, DIDs und DIDComm, um eine bestmögliche Interoperabilität mit anderen SSI-Netzwerken zu gewährleisten. Wir streben die Etablierung von Datenhoheit für Individuen, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern an. Des Weiteren erarbeiten wir die Infrastruktur auf den Grundsätzen von Security by Design und Privacy by Design.

  • Klare Ausrichtung an den europäischen Rechtsrahmen.
  • Breite Beteiligung aus verschiedensten Sektoren bestehend aus privaten und öffentlichen Vertretern.
  • Transparente Governance mit europäischen Werten.
  • Die Institutionen, die Identitäten mit dem Netzwerk verknüpfen, sind auch größtenteils die Betreiber der Knoten und haben dadurch ein natürliches Interesse an
    der Stabilität des Netzwerks.
  • Durch die Gesellschaft wird eine langfristige und unabhängige Finanzierung garantiert, die eine Unabhängigkeit von dritten Investoren gewährleistet

1. Aufbau und Betrieb des technischen Netzwerks

  • Stabilität des Netzwerks und Koordination der Knotenbetreiber.
  • Weiterentwicklung des technischen Rahmenwerks für die Implementierung des Netzwerks auf Basis von Hyperledger Indy.
  • Incident Management, Wartung des Netzwerks inkl. Maintenance und Bug-fixing.
  • Koordinierte Beiträge für Software-Agenten-Module und -Building-Blocks, wie z.B. Datenschema-Strukturen, Kommunikationsprotokolle und Semantik.

2. Aufbau und Weiterentwicklung des Partnerökosystems

  • Gewinnung und Onboarding neuer Partner.
  • Operation, Contracting, Office Management und Billing and Invoicing.
  • Governance Orchestrierung der Organisationsorgane, Wahl der Gremien, demokratische Entscheidungsprozesse.
  • Rechtliche Themen, Haftung und Vertragsmanagement (intern u. extern).
  • Abstimmung von Anwendungsfällen zwischen vorhandenen Partnern.
  • Sicherstellung von ausreichenden Angeboten und Anwendungen für Endkunden über Kooperationen mit Anbietern.
  • Organisatorische Weiterentwicklung und Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit

3. Kommunikation mit externen Stakeholdern

  • Internationale Zusammenarbeit und Mitwirkung bei der Entwicklung internationaler Standards.
  • Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und die Bereitstellung von öffentlichen Ressourcen.

Alle Entscheidungen werden durch die Mitglieder oder Organe der Genossenschaft getroffen. Diese Organe sind:

  • Der Vorstand, der die Genossenschaft vertritt und die Geschäftsführung inne hat.
  • Der Aufsichtsrat, der durch gewählte Vertreter aus dem Kreis der Vollmitglieder bestimmt wird, den Vorstand bestellt und überwacht sowie über die Aufnahme neuer Mitglieder entscheidet und die Genossenschaft vertritt.
    Unterstützt wird der Aufsichtsrat durch Gremien, wie z.B. dem Policy Board für regulatorische Fragen, dem Technical Steering Committee für technische Fragen der (Weiter-) Entwicklung des Netzwerkes sowie dem Advisory Board für Fragen der Zusammenarbeit mit öffentlichen und wissenschaftlichen Stakeholdern.
  • Die Generalversammlung, in der die Mitglieder der Genossenschaft ihre Mitgliedschaftsrechte ausüben. Dazu gehören u.a. die Wahl des Aufsichtsrates, alle finanziellen Feststellungen und Mittelverwendungen oder auch alle Anpassungen in der Genossenschaftsform.

Die Mitglieder entrichten einen jährlichen Mitgliedsbeitrag, der entsprechend der Unternehmensgröße gebildet wird. Es wird unterschieden in:

  • Kleine Unternehmen (<10 Mitarbeiter)
  • Mittelständische Unternehmen (<250 Mitarbeiter)
  • Große Unternehmen (<3000 Mitarbeiter) und
  • Sehr große Unternehmen (>3000 Mitarbeiter).

Die genauen Mitgliederbeträge werden aktuell erarbeitet und werden in der Geschäftsordnung zu finden sein, sobald diese verfügbar ist.
Ergänzend ist es geplant, die Fixkosten des Netzwerksbetriebes auf Basis von Transaktionen auf dem Netzwerk zu verteilen. 

Nein, die Genossenschaft bietet keine eigenen Wallets oder sonstige Software-Agenten an. Jedoch können solche Anwendungen von einzelnen Mitgliedern bereitgestellt werden. Diese finden Sie hier.

Zur Vertrauensbildung in das Ökosystem sind drei wesentliche Punkte entscheidend: Die technische Infrastruktur des Netzwerkes, die gesicherte und allgemein akzeptierte Ableitung von Identitäten bzw. das Einbringen von Nachweisen und das Regelwerk, nach welchem die Teilnehmer untereinander den Datenaustausch vornehmen.

Infrastruktur

Die Infrastruktur bildet das Herzstück des Ökosystems. Da in der verteilten Datenbank keine Inhaltsdaten (personenbezogene Daten) geführt werden, sondern lediglich „Verweisdaten“ (z.B. der öffentliche Schlüssel des Ausstellers der Nachweise), spielt der besondere Schutz dieser Daten eine untergeordnete Rolle. Die Integrität der Daten wird sichergestellt durch die Nutzung einer verteilten Datenbank, welche auf mehreren Servern im Netzwerk betrieben wird. Wichtiger sind vielmehr der Status der Nachweise (gültig/widerrufen) und die Robustheit des gesamten Netzwerkes, um einen Ausfallschutz zu gewährleisten.

Die Knoten-Betreiber selbst müssen sich ausweisen und sind auf Basis des Netzwerks als dezentrale Public-Key-Infrastrukturen (dPKI-Infrastruktur) überprüfbar. Der Endorser schreibt im Auftrag des Transaction Authors die Transaktionen in das IDunion-Netzwerk.  

Das Verhältnis zwischen dem Aussteller, dem Halter von Nachweisen und der Verifizierten Partei  lässt sich als Vertrauensdreieck darstellen, in dem sich die Beteiligten auf Basis der gemeinsamen Teilnahmebedingungen untereinander gesellschaftlich vertrauen. Das technische Vertrauen wird durch die kryptographische Infrastruktur gewährleistet.

Das Wallet, in welchem der Halter seine Credentials aufbewahrt, ist eine gegen Angriffe geschützte Sicherheitskomponente. Die in das Wallet eingespielten Informationen dürfen nicht veränderbar, austauschbar oder unbemerkt kopierbar sein. Das Wallet selbst und die zugehörigen Freigabe-Aktionen zum Teilen der Inhalte werden durch den Inhaber geschützt bzw. durch einen Authentifizierungs-Faktor (z.B. mittels eines Entsperrmechanismus wie Biometrie) autorisiert.

Der Aussteller ist ein elementarer Vertrauensanker im Netzwerk. So ist der Aussteller selbst durch seinen öffentlichen Schlüssel (bzw. den dezentralen Identifikator) mittels des Netzwerks überprüfbar. Die Schreibvorgänge in das IDunion-Netzwerk erfolgen nur unter Bestätigung eines Endorsers.

Der Verifizierer hat die Möglichkeit, den Status eines Nachweises sowie den des Ausstellers zu prüfen. Er muss sich auf die Richtigkeit der Informationen verlassen können, sei es, weil der Verifier sich darauf bei einer etwaigen Weiterverarbeitung stützt und für daran verknüpfte Leistungen haftet oder auch, weil er die verifizierten Informationen selbst als Dienstleistung anbietet. Der Aussteller von Nachweisen hat die Möglichkeit, sich gegenüber dem Netzwerk nach definierten Prozessen und Vorgaben eindeutig zu identifizieren. Somit ist eine regulatorisch konforme Überprüfung durch den Verifizierer möglich.

Identitätsableitung

Ausgangspunkt der Identitätsprüfung ist die Ableitung der Identität auf Basis eines hoheitlich ausgegebenen Ausweismittels (Personalausweis, Reisepass) als verifizierter Nachweis in das Wallet des Nutzers. Dies kann z.B. durch das Auslesen des Personalausweises mit der eID-Funktion über die NFC-Schnittstelle erfolgen oder durch das Ausstellen von bereits existierenden Nutzerdaten, z.B. von Finanzinstituten, die mit den notwendigen regulatorischen Vorgaben erhoben wurden. Dies erhöht u.a. die Reichweite des Netzwerkes erheblich.

Berücksichtigt werden muss bei der Identitätserfassung auch die im Jahr 2014 eingeführte europäische eIDAS-Verordnung, die den Rechtsrahmen für elektronische Identifizierungen und die gegenseitige Anerkennung von (notifizierten) Identitätssystemen in der EU bildet und somit neben dem Rahmenwerk auch technische Anforderungen (z.B. CEN und ETSI) aufstellt.

Bei juristischen Personen bestätigen Organisations-Identitätsausweise, dass eine DID zu einer in öffentlichen Registern geführten Organisation gehört. Mit diesen Ausweisen werden sich Organisationen initial ausweisen, um sichere Verbindungskanäle untereinander aufzubauen. Dadurch wird eine dynamische Skalierung der teilnehmenden Organisationen und Interoperabilität mit anderen Netzwerken ermöglicht. Basierend auf Europäischen Richtlinien (eIDAS) können die Organisations-Identitätsausweise durch qualifizierte Vertrauensdiensteanbieter oder durch bei anderen Organisationen (z.B. GLEIF) akkreditierten Ausstellern herausgegeben werden.

Regelwerk des Netzwerks

Die Satzung der Europäischen Genossenschaft bildet die erste Leitplanke für die Teilnehmer des Netzwerkes. Hierunter fallen auch die Verträge für die Teilnahme für das Rechte- und Regelsystem zur Verwaltung der verteilten Datenbank sowie deren Zugriffsbeschränkung in Form von Rechte- und Rollenaufteilungen. Die Schemata-Regelungen, die die Anforderungen insbesondere im Hinblick auf die Qualität, das Einspeisen und die Akzeptanz der Inhalte vorgeben, ergänzen das Regelwerk. Sie dokumentieren die gemeinsame Verantwortung des Netzwerkes und geben allen Teilnehmern die Möglichkeit, sich jederzeit darauf beziehen zu können.

Für Mitglieder:

Die Genossenschaft unterscheidet die folgenden zwei Arten von Mitgliedschaften:

  • Vollmitglieder:
    Ihnen stehen alle Mitwirkungsrechte in der Genossenschaft uneingeschränkt und in vollem Umfang zu. Vollmitglieder der Genossenschaft können nur juristische Personen des privaten und öffentlichen Rechts oder Personenhandelsgesellschaften (bzw. äquivalente Rechtsformen nach ausländischem Recht) werden, deren Muttergesellschaft ihren Satzungssitz in der Europäischen Union, Norwegen, der Schweiz oder Großbritannien hat.

  • Unterstützende Mitglieder:
    Ihre Mitwirkungsrechte in der Genossenschaft sind beschränkt. So kann ein unterstützendes Mitglied z.B. nicht „Trustee“ werden, ihre Vertreter nicht in den Aufsichtsrat gewählt werden. Das gemeinsame Stimmrecht aller unterstützenden Mitglieder ist auf eine Höchstzahl von 25% beschränkt.

Die Aufnahme eines Mitglieds erfolgt aufgrund eines schriftlichen Beitrittsantrages und der Zulassung zur Genossenschaft. Über die Zulassung beschließt innerhalb der Genossenschaft der Aufsichtsrat. Eine schriftliche Anfrage können Sie hier stellen.

Nein, um das Netzwerk nutzen zu können, muss keine Mitgliedschaft bei IDunion bestehen. Interessierte juristische Personen können sich als Endorser registrieren , um auf den Ledger zu schreiben.

Alle Mitglieder müssen die dauerhafte Bereitschaft zeigen, die Ziele und Kernprinzipien der Genossenschaft sowie den Gesellschaftszweck zu unterstützen und zu fördern; sie haben sich entsprechend fortgesetzt zu engagieren sowie im Sinne der Satzung zusammenzuarbeiten.

Die Mitglieder sollen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Dienstleistungen für die Genossenschaft erbringen oder dieser von ihnen entwickelte Produkte zur Verfügung stellen bzw. die Angebote, Einrichtungen, Leistungen und/oder Vergünstigungen der Genossenschaft in Anspruch nehmen.

Jedes Mitglied hat das Recht, die Angebote, Einrichtungen, Leistungen und/oder Mitgliedervergünstigungen der Genossenschaft in Anspruch zu nehmen. Je nach Art der Mitgliedschaft (Vollmitglied / unterstützendes Mitglied) stehen ihm die genossenschaftlichen Rechte gemäß der Satzung zu.